Begasung - Groli informiert

Ergänzend zu unserer Reportage über die Einhausung eines Kindergartens in Niesky haben wir die beiden Groli-Geschäftsführer Thomas Böttger und Marco Müller gebeten, ein paar Fragen zum Thema Begasung zu beantworten. Außerdem finden Sie einen Link zu einem kleinen Video, das während der Einhausungsaktion entstanden ist sowie weitere Fotos.

Das Groli-Geschäftsführungsteam: Thomas Böttger und Marco Müller

Fragen und Antworten zu Begasungen

Seit wann macht die Firma Groli Begasungen?

Wir begasen seit 1990, also seit der Firmengründung.

Wie viele Begasungsanbieter gibt es Ihrer Kenntnis nach in ganz Deutschland?

Mit den Begasungen im Bereich Materialschutz und Vorratsschutz befassen sich in Deutschland sechs Firmen. Die Zulassung für Begasung begrenzt auf den Bereich Vorratsschutz haben aber noch einige andere Firmen.

Welche Qualifikation muss ein Schädlingsbekämpfer haben, um begasen zu dürfen? Und muss er irgendwelche laufenden Weiterbildungen absolvieren?

Die Qualifikationen sind in der TRGS 512 festgelegt. Eine Firmenerlaubnis erhält, wer eine ausreichende Anzahl an Befähigungsscheininhabern hat. Diesen Befähigungsschein bekommt man erst, nachdem man die Sachkunde nachgewiesen hat, die mit einer behördlichen Prüfung verbunden ist. Die Sachkunde wiederum erreicht man erst, wenn man Begasungserfahrung nachweisen kann- Das heißt, man muss 12 bis 18 Monate unter Anleitung eines Begasungsleiters gearbeitet haben. Die Mindestanzahl sind vier Begasungen. Eine ärztliche Untersuchung auf u.a. auf Atemschutztauglichkeit und Geruchswahrnehmung ist ebenfalls Voraussetzung. Um den Befähigungsschein zu erlangen, braucht man überdies ein behördliches Führungszeugnis.

Der Befähigungsschein wird immer nur zeitlich begrenzt ausgestellt, und man muss seine Eignung immer wieder belegen.

Wie erklären Sie sich, dass so wenige Schädlingsbekämpfungsfirmen Begasung anbieten?

Das ergibt sich u.a. aus den oben genannten Befähigungsanforderungen, die zu erreichen ja auch mit Kosten verbunden sind. Außerdem ist ein nicht unerheblicher Einsatz von kostenintensiver Technik erforderlich. Nicht zu unterschätzen ist auch das Erfahrungs-Know-how im Umgang mit verschiedenen Gebäudeanforderungen.

Es gab vor einigen Jahren in einem anderen Unternehmen einen schlimmen Unfall bei einer Begasung. Im Falle des Kindergarten, über dessen Begasung wir in DpS berichten, war es reiner Zufall, dass Sie im Winter die unterirdische Verbindung zu einem weiteren Gebäude bemerkt haben. Der Auftraggeber hatte sie nicht informiert, weil er es selbst nicht wusste. Ist das nicht ein ziemliches mulmiges Gefühl? Wie gehen Sie mit dem Restrisiko um?

Ja, beim Kindergarten hat eine örtliche Begehung zu einem frühen Zeitpunkt ergeben, dass es eine unterirdische Verbindung gab. Das hätten wir sonst zu einem späteren Zeitpunkt erst bemerkt, aber wir hätten es bemerkt. Der Ablauf ist so: Der Auftraggeber bekommt eine Sicherheitscheckliste zugeschickt, die explizit solche Risiken abfragt. Der Begasungsleiter schaut sich aber immer und grundsätzlich selbst das das Gebäude dennoch noch ganz genau an und prüft weitere Möglichkeiten. Aber ja, richtig ist, dass ein minimales Restrisiko niemals ausgeschlossen werden kann, z.B. wenn der Auftraggeber das Gebäude gar nicht ausreichend kennt und auch keine aussagefähigen Gebäudeunterlagen existieren. Dieses Restrisiko bleibt bei der Begasungsfirma. Und das ist auch der Grund, warum die Begasungsfirma alles daran setzt, sozusagen „in die Gebäudestruktur förmlich hineinzukriechen“, um wirklich jede mögliche Gebäudeverbindung zu erkennen. 

Oft heißt es, Begasung sei unnötig, man könne die meisten Objekte mit Wärmebehandlung von Schädlingen befreien. Dennoch ist Begasung einer Ihrer Tätigkeitsschwerpunkte. Wann entscheiden Sie sich für Wärme, wann für Gas? 

Das hängt sehr von der Bausubstanz ab. Eine Wärmebehandlungbehandlung ist dann sinnvoll, wenn ich an alle Holzbauteile herankomme, auch an die Mauerauflagebereiche. Gemäß der TRGS 512 muss ich eine Substitutionsprüfung machen. Das heißt: Ist ein anderes Verfahren geeigneter, ist dies vorzuziehen. Aufgrund unserer Leistungsbereiche bittet ein möglicher Auftraggeber meist auch um eine vergleichende wirtschaftliche Betrachtung.

Welche Gase benutzen Sie und welche sind in welchen Situationen geeignet?

Grundsätzlich können wir alle zugelassenen Gase gemäß ihrer Zulassung benutzen. Die Entscheidung hängt natürlich davon ab, ob es um Vorratsschutz oder um Materialschutz geht. Momentan benutzen wir, wie wohl auch die anderen Begasungsfirmen, Sulfurylfluorid (SF) für den Bereich Materialschutz und Vorratsschutz und PH3 für den Bereich Vorratsschutz.

Wie viel Gas benötigt man für eine Bekämpfung?

Der Gasverbrauch richtet sich nach dem Raumvolumen, der Gebäudesubstanz und der Gebäudedichtigkeit.

Was muss aus dem Gebäude geräumt werden, bevor begast werden kann?

Alle Lebewesen, Pflanzen und  Lebensmittel müssen aus dem Gebäude entfernt werden.

In sehr vielen Fällen begasen Sie Kirchen. Nun war es ein Kindergarten, was ja auch einige Probleme mit sich brachte, weil man sich auf Ängste und Empfindlichkeiten einstellen musste. Hat die Baustelle Sie letztlich ermutigt oder eher davon abgeschreckt, künftig vermehrt auch andere Objekte als Kirchen zu begasen?

Nö, abgeschreckt hat uns das gar nicht, es war eine Herausforderung. Wir haben in letzter Zeit vermehrt anfragen, auch Wohngebäude zu begasen und freuen uns darauf.

 

 

Bitte benutzen Sie den links stehenden Link, um das Video anzusehen.

Und hier ein paar weitere Eindrücke von der Einhausung

Der Deutschlandfunk hat kürzlich über Groli berichtet. Hier geht es nicht um die Kindergarten-Begasung, sondern um Kirchenbegasungen. Sie können den Beitrag hören, indem Sie den Link öffnen und dann den Audiobutton im Titelbild rechts anklicken:
www.deutschlandfunk.de/schaedlingsbekaempfung-in-der-kirche-ist-der-wurm-drin.886.de.html?dram:article_id=394051