Vom Seeadler über die Wespe zur Stechmücke

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Der TRNS - Ausschuss bezieht Position Im technisch-handwerklich orientierten Gewerbe der Schädlingsbekämpfung fehlten lange Zeit allgemein gültige Normierungen im Sinne anerkannter Arbeitsverfahren. Ein ständiger Ausschuss des DSV hat daher technische Regeln und Normen der Schädlingsbekämpfung (TRNS), zunächst für den Bereich Gesundheits- und Vorratsschutz, erarbeitet, die diese Lücke schließen sollen. Darüber hinaus gibt der TRNS-Ausschuss von Zeit zu Zeit Positionserklärungen aus aktuellen Anlässen für die Branche der Schädlingsbekämpfung heraus.

Die Nachricht:Ein Angestellter des Emslandkreises lässt durch ehrenamtliche von ihm ernannte Sachkundige prüfen, ob ein Bundesbürger Wespen in und an seinem Haus bekämpfen lassen darf. Die Sachkundigen werden sicherlich Aufwandskosten verlangen und wer ohne einen solchen einzuschalten bekämpft, wird Bußgeld bis zu einer Höhe von 25.000 ? angedroht. Begründet wird das mit dem folgenden Zitat:"Gemäß § 35 Abs. 1 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes ist es verboten, wildlebende Tiere unnötig zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten". Dies steht in einem Schreiben an ein DSV-Mitglied, das uns vorliegt.

Stellungnahme des TRNS-AusschussesWas beim Seeadler sinnvoll ist, weil es sich um eine bedrohte Tierart handelt, die sogar streng geschützt ist, wird bei den häufigen Problem-Wespenarten (Paravespula germanica und vulgaris) in Haus und Garten  sinnlos, weil sie eben nicht bedroht und nicht besonders geschützt sind. Jedem würde es absurd erscheinen,  Stechmücken zu schützen, aber rein rechtlich gesehen stehen sie auf der gleichen Stufe wie die Deutsche und Gemeine Wespe: Es sind beides wildlebende Tiere. Wo verliefe die Grenze, nähme man obige Bestimmung als Grundlage? Beim Wurm oder bei der Blattlaus?

Bruno, das mit Abstand seltenste wildlebende Tier Deutschlands, weil nur einmal vorhanden, wurde erschossen, aber der Bundesbürger soll das Wespennest an der Pergola seiner Terrasse nicht beseitigen lassen dürfen, bzw. vorher amtlich bestellte Beschauer bestellen?  Was ist mit den Ameisen unter den Gehwegplatten, übrigens ganz nahe Verwandte der Wespen?

Bruno wurde erschossen, weil er zum Schadbär wurde, also von freilebendem Wildtier in die Kategorie Schädling wechselte und damit seinen Status verlor. Genau so steht es auch im Biozidgesetz, es sagt:Schädlinge sind ?Organismen, die für den Menschen, seine Tätigkeiten oder für Produkte, die er verwendet oder herstellt oder für Tiere oder die Umwelt unerwünscht oder schädlich sind?

Ist eine Tierart weder Haus- noch Nutztier, noch jagdbares Wild und nicht besonders geschützt und siedelt sie sich im Haus, am Haus oder in unmittelbarer Nähe zum Haus an, darf sie bekämpft werden, wenn sie unerwünscht oder schädlich wird. Letzteres ist genau der vernünftige Grund. Wäre es anders und würde man den obigen Text wortgetreu auslegen, dürfte man eine heransirrende Stechmücke nicht verscheuchen, denn das beunruhigt sie ja.

Der Schädlingsbekämpfer hat eine umfangreiche Ausbildung (Lehrberuf) erhalten und ist als Berufsträger demzufolge bereits im Tierschutzgesetz als ?Erlaubter? ausgewiesen. Ob es überhaupt rechtlich zulässig seitens der Behörde ist,  so in Berufsausübungsrechte einzugreifen, wurde von uns noch nicht abschließend geklärt. Entscheidungen eines bereits als sachkundig ausgewiesenen Berufsträgers durch ehrenamtliche Beschauer ersetzen zu wollen, stellt unseres Erachtens einen willkürlichen unzulässigen Eingriff in die Berufs- und Gewerbefreiheit dar.

Ebenfalls noch nicht diskutiert wurde von uns der derzeitige Status der im oben erwähnten Schreiben gemachten Meinungsäußerung. Für eine so weitreichende behördliche Einflussnahme reichen derartige Schreiben ohnehin nicht aus.Unser Fazit: Wespen im Haus, am  Haus und in unmittelbarer Nähe zum Haus sind genauso wie Ameisen Schädlinge. Sie lösen Furcht und Ekel aus, können den Menschen verletzen und einen Allergiker sogar töten. Außerdem befallen sie menschliche Nahrungsmittel im Gebäude und auf dem Terrassentisch. Der geprüfte Schädlingsbekämpfer ist eo ipso sachkundig und kann die Gefahrenlage selbst ohne Beschau durch Dritte einschätzen. Vom Bürger angerufen, fährt der Schädlingsbekämpfer zu ihm hin, überprüft Haus und Grundstück bestimmt die Wespenarten und die Bedrohungslage, die der Bürger empfindet. Ist Letzteres gegeben, beseitigt er das Nest, wenn es sich nicht um besonders geschützte Wespenarten handelt. Besonders geschützte Wespenarten wie Hornissen oder Kreiselwespen lässt er in Ruhe oder beantragt eine Ausnahmegenehmigung, wenn möglich zum Umsiedeln.

Der TRNS-Ausschuss